13. Mai 2019

Bonnie Tyler

Volkshaus Zürich

Einst sang Schlager-Barde Udo Jürgens «Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an, mit 66 Jahren, da hat man Spass daran». Ob Bonnie Tyler das Lied oder den Künstler kennt, ist nicht klar. Auf die Engländerin, die am Montag im Volkshaus Zürich das Publikum zwei Stunden lang unterhielt, treffen die Zeilen aber perfekt zu.

Bonnie Tyler wird dieses Jahr 67 Jahre jung und ist aktuell mit ihrem neuen Album «Between the Earth and the Stars» auf gleichnamiger Welttournee. 

Die erste Frage, die ich mir stellte, als ich ihr zusah: «Ist die Frau betrunken?» Sie wirkte etwas schusslig und bewegte sich zum Teil un­ko­or­di­niert. Gesanglich war aber nichts zu merken. Zwischen den Songs plauderte Bonnie aus dem Nähkästchen ihrer doch schon 40-jährigen Karriere. Immer wieder lachte das Publikum und applaudierte. Tyler wusste bestens zu unterhalten. Um das Eis gleich zu Beginn zu brechen, sang sie ihren Nummer 1 Hit «It's a Heartache» schon als dritten Song. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon lange begeistert von dem, was Bonnie Tyler und ihre Band ablieferten. Die Frau machte mit ihrer Spielfreude und dem breiten Grinsen im Gesicht einfach Spass. Dazu kam eine abwechslungsreiche Setlist mit neuen Songs wie «Let's Go Crazy Tonight», das wieder ganz nach der Bonnie Tyler der 80er-Jahre klingt. Natürlich duften die alten Hits wie «Faster Than the Speed of Night», der Titelsong ihrer erfolgreichsten Platte aus dem Jahr 1983 nicht fehlen. 

Die Engländerin weiss ganz genau, dass ohne ihre Band und dem Staff hinter der Bühne eine solche Tournee nicht möglich wäre. Aus diesem Grund stellte sie neben ihrer Band auch den Tontechniker, den Mann am Licht (machte einen sensationellen Job), ihren Tourmanager und ihren Ehemann vor. 

Als Zugabe gab es einen ganz besonderen Leckerbissen: ich gehe einmal davon aus, dass die meisten hier den Song «Simply the Best» von Tina Turner kennen. Dabei ist der Welthit der Amerikanerin nur ein Cover! In der Tat hat Bonnie Tyler den Song zwei Jahre vor Turner veröffentlicht. So kam man in den Genuss, diesen Welthit im Original live zu hören. Ganz zum Schluss gab es mit «Holding Out for a Hero» einen würdigen Abschluss. 

Bonnie Tyler hat nichts von ihrer Ausstrahlung und charismatischen Art verloren. Einzig die Sitzplätze waren ein Stimmungskiller. Dies merkte man deutlich daran, dass sich das Publikum nur zaghaft zum Klatschen getraute. Ein schöner, unvergesslicher Konzertabend war es trotzdem.

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