28. Februar 2020

Swiss Music Award

KKL Luzern

Trotz Hysterie um das Corona-Virus und dem Bundesratsbeschluss, nur noch Veranstaltungen mit maximal 1’000 Personen zu bewilligen, fand der Swiss Music Award im KKL Luzern im kleineren Rahmen statt. 

 

Etwas spärlich kam die Schweizer Musikprominenz über den grünen Teppich. Endo Anaconda marschierte in grossen Schritten an der Medienschar vorbei. Seit der Stiller Has-Frontman sichtlich abgenommen hat, ist wohl Schluss mit Berner Gemütlichkeit. Sein Emmentaler Kollege Mark Fox, Sänger von Shakra, war genau so im Stress. Für eine coole Pose nahm er sich dann doch gefühlte 10 Sekunden Zeit. 

Und plötzlich kamen sie in Scharen. Hecht wollten sich trotz der Nominierung als Bester Live Act noch nicht in Siegerpose werfen. Mit Patent Ochsner und Lo & Leduc (beide nicht anwesend) hatten sie zwei würdige Mitbewerber um den Betonklotz. Es zeigte aber auch die Bescheidenheit der Jungs aus «Hoftere» (für nicht Luzerner Hochdorf). 

Ob Hip Hop-Newcomerin Loredana mit dem Bus oder der Polizei (sie wurde wegen Betrug von einem alten Ehepaar strafrechtlich verfolgt) von Emmenbrücke ins KKL kam, ist nicht bekannt. Jedenfalls kam sie ganz gangstamässig mit ihrer Gang über den Teppich, gab artig Interviews bei Glanz und Gloria und einem kleinen Westschweizer Web TV. 

Hätte mir mein Kollege nicht gesagt, dass die junge Frau mit dem Kurzhaarschnitt im Stile der US Army Stefanie Heinzmann ist, ich hätte sie nicht erkannt. Die Oberwalliserin mit der gewaltigen Soulstimme hat nicht nur ihren Stil auf dem aktuellen Album «All We Need Is Love», sondern auch ihr äusseres geändert. Letzteres ist mässig gelungen. Ihre fröhliche, aufgeschlossene Art hat sie zum Glück behalten.

Als Internationaler Live Act kam der Schotte Lewis Capaldi nach Luzern. Der Rotschopf trat locker und bestens gelaunt vor die Medien, alberte vor den Fotografen herum. Es kam mir so vor, dass er der Einzige war, der an diesem Abend richtig Spass hatte. Der Grossteil hatte wie Hazel Brugger sagte, einen Stock im Arsch. 

Capaldi war in den Kategorien Best Hit International und Best Breaking Act International nominiert. Nach dem alle Künstler*Innen, die die Abkürzung zum Apero nicht gefunden haben, über den Teppich spaziert waren, ging es in den Konzertsaal.

Die Gäste suchten sich ihre Plätze, während Moderatorin und Comedian Hazel Brugger bereits die Bühne in Beschlag genommen hatte. Ganz Hazel legte sie gleich mit derben Sprüchen los. Wie die meisten im Saal belächelt sie die selbst Beweihräucherung im Stile der Oscars® in Hollywood. Ihre Ansage das man bei der Liveübertragung ein wenig Stimmung machen soll und sich den Stock aus dem Arsch ziehen, fahnden nicht alle lustig. Obwohl unberechtigt war der Spruch nicht. Sah man in die Gesichter von diversen Anwesenden, war der Abend wohl mehr Pflicht als Vergnügen.

Um 20:15 Uhr ginge es dann mit der TV-Übertragung los. Souverän führte Hazel Brugger durch die Sendung. Bei einem Einspieler erfuhr man, wie so ein Award-Klotz entsteht. Danach musste Baschi dran glauben. Er durfte seinen ersten Award gleich selber machen. Die Grösse war zwar nicht originalgetreu, aber das spielt keine Rolle. Der Baselbieter wurde würdig ausgezeichnet.

Baschi|©Stagetime.ch.jpg

Folgende Künstler bekamen einen SMA (in Original Grösse):

Best Femail Act: Stefanie Heinzmann

Best Male Act: Luca Hänni (war gerade in Köln) 

Best Group: Patent Ochsner (Hatten gerade einen Auftritt im Stadtsaal Zofingen)

Best Breaking Act: Loredana

Best Solo Act International: Billie Eilish

Best Group International: Rammstein (waren nicht vor Ort)

Best Breaking Act International: Billie Eilish

Best Album: Patent Ochsner

Best Hit: Loco Escrito 

Best Hit International: Lady Gaga und Bradley Cooper (waren nicht vor Ort)

Best Live Act: Hecht 

SRF Best Talent: Monet192

Artist Award: Baze

Outstanding Achievement Award: Stephan Eicher

 

Zwischen den Verleihungen gab es noch Live Acts. Als erstes musste das Publikum Loredana ertragen. Wenn man live im Saal ist, kann man leider nicht wegschalten. Ein Vorteil, den die Zuschauer*Innen zuhause hatten. Bis auf ein paar Buhh-Rufe (nicht von mir) war der Tiefpunkt dieses Abends schnell vorbei. 

Beeindruckend war der Auftritt von Bligg. Im Saal wurde es dunkel, dann leuchtete ein Spot über dem Publikum auf und Bligg stand mit Mikrophon da und startete seine Performance. Sehr gut Inszeniert, wie es eben nur Bligg kann. Im zweiten teil seines Auftritts kam Marc Sway für ein Duett dazu. Die beiden harmonieren sehr gut und der Auftritt war schon erträglicher als der erste Act. 

 

Nicht nur auf dem Grünen Teppich war Lewis Capaldi eine positive Ausnahme. Auf der Bühne performte er auch mit viel Freude und überzeugte mit seinen musikalischen Qualitäten. Wird er ein zweiter Ed Sheeran? Der Erfolg ist ihm sicher zu gönnen. Trotz seinen beiden Nominierungen (Best Hit International und Best Breaking Act International) reichte es nicht für eine Auszeichnung. Aber was noch nicht ist, kann in kommenden Jahren noch werden.

Für den vierten und letzten Act wurden zwei Flügel auf die Bühne geschoben. Sie waren für Justin Jesso und die «Grösste Schweizer Talente»-Gewinnerin Eliane geplant. Die beiden performten ein grossartiges Duett. Die Stimmen des Amerikaners (Chicago) Justin Jesso und der Schweizerin Eliane ergänzten sich perfekt. Man spürte bei Beiden die Leidenschaft für Musik. Von den Live Acts waren sie sicher das Highlight. 

 

Einer Höhepunkte bei den Award Verleihung war die Vergabe des Outstanding Achievement Award an Stephan Eicher. Der medienscheue Künstler spielte einfach brav mit. Man merkte ihm aber an, dass ihn die Auszeichnung nicht sonderlich Interessiert. Die Musik ist ihm wichtiger, das drumherum ist nicht seine Welt. Wenn man Eicher zuhörte, wie er erzählt, von wem er musikalisch beeinflusst wurde, Troubadour Mani Matter zum Beispiel, spürt man, dass seine Musik nicht einfach Chansons ist, sondern viel mehr dahinter steckt und sein Intellekt vielen in der Schweizer Musikszene überlegen ist. 

Stephan_Eicher|©Stagetime.ch.jpg

Für den Artist Award hielt Stiller Has Sänger Endo Anacona die Laudatio. Sehr frisch und Pointiert sprach er davon, wie toll es sei, dass Gewinner Baze diesen Preis von ihm und seinen Musikerfreunden erhält. 

Zugegeben sagte mir der Name bis zu diesem Abend nichts. Ein Blick auf Google kam dann das grosse Aha - Erlebnis.Der Berner Mundart Rapper gehört unteranderem zur Combo Chliklass an. Die kenne sogar ich als nicht Hip Hop Hörer. 

 

Die 13. Swiss Music Awards waren eine unterhaltsame Show mit vielen Höhen und Tiefen. Dank Hazel Brugger, die in die grossen Fussstapfen von Stefan Büsser trat, und ihre Aufgabe mit Bravour meisterte.

 Den Einfluss von SRF 3 bei den Nominierungen war deutlich spürbar, Pop und vor allem Rock fehlte fast komplett und im Vordergrund standen klar Hip Hop, Soul und R ’n’ B. Obwohl die Schweiz gerade beim Nachwuchs viel breiter abgestützt ist. Aber wie heisst es so schön «Was der Schweizer nicht hört, das frisst er nicht».

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