18. -20. Oktober 2018

Int. Burlesque Festival Berlin

18. Okt. Heimathafen Neukölln

19. /20. Okt. Wintergarten

Bereits zum sechsten Mal fand vom 18. Oktober bis 20. Oktober das Berlin Burlesque Festival statt. An den drei Abenden standen 39 Künstlerinnen und Künstler auf der Bühne des Heimathafen Neukölln und im Varieté Wintergarten auf der Bühne. 

Die Gastgeberinnen Marlene von Steenvag und Else Edelstahl wählten aus über 200 Bewerbungen ein Internationales Cast aus, das für beste Unterhaltung sorgte. 

Aber alles der Reihe nach. 

18. Oktober 2018

Int. Burlesque Festival Berlin

18. Okt. Heimathafen Neukölln

Die grosse Eröffnungs-Revue fand im imposanten Ballsaal des Heimathafen Neukölln statt. Etwas irritiert nahm ich zur Kenntnis, dass anstatt der Hamburgerin Eve Champagne, nun Desmond O’Connor aus England, Cherry Martini als Host an seiner Seite hatte. Die beiden führten mit viel Charme und Witz durch den Abend. Besonders der überdrehte O’Connor sorgte immer wieder für Lacher. 

 

Der erste Abend bot ein buntes Allerlei aus klassischem Burlesque von Blanche de Moscou aus Russland oder der Amerikanerin Dottie Dynamo. Dazu kamen einige schon fast groteske Auftritte, allen voran Seedy Frills aus England mit ihrem hüpfenden Pferd. 

Die Mischung war sehr unterhaltend und das Gezeigte auf einem hohen Niveau. Das Publikum im ausverkauften Heimathafen war ebenfalls bestens gelaunt und belohnte die Performer/Innen mit viel Applaus.

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Als Barkeeperin präsentierte sich La Fée Verte. Passend zu ihrem Namen mixte sie sich einen Drink mit Absinth, auch unter dem Namen «Die grüne Fee» bekannt. Als Höhepunkt flambierte sie die Spirituose, die traditionell aus Wermut, Anis und Fenchel hergestellt wird. Die Deutsche hatte zudem ein raffiniertes Feen-Kostüm, das ihrem Namen ebenfalls gerecht wurde.

Der Auftakt ins sechste Berlin Burlesque Festival war bereits ein tolles Erlebnis und man durfte sich auf die folgenden Abenden freuen. 

19. Oktober 2018

Int. Burlesque Festival Berlin

 Varieté Wintergarten

19. Oktober 2018

The Odd Night

 Varieté Wintergarten

Udo Lindenberg singt in einem seiner Lieder «seid Willkommen in Berlin ihr Verrückten gehört dahin». Udo hätte bestimmt seinen Spass am bunten Geschehen auf den Bühnen des Burlesque Festivals. Dieses ist für den zweiten Abend vom Heimathafen Neukölln ins Weltberühmte Varieté Wintergarten umgezogen. Die Location bietet den perfekten Rahmen für eine Show dieser Grösse. Jack Woodhead als Host sucht gekonnt den Kontakt zum Publikum. Woodhead ist für diesen Abend mit einigen verrückten und schrillen Performances genau der richtige. Er selbst ist ein toller Entertainer, besonders als Sänger brilliert er immer aufs neue wenn er sich selber am Klavier begleitet. 

Zwar immer noch in Unterzahl, jedoch mit vier männlichen Performern, gab es für die Frauen im Publikum einiges zu bejubeln. Der König der Verrückten war ganz klar der Schweizer Boylesque und Drag Queen-Performer Jeff van Phill. Der Solothurner überzeugte im Dirndl mit seiner Jodelnummer und brachte das Publikum förmlich in Ekstase. Die Sympathie für den Schweizer ist deutlich spürbar. Kein Wunder, er verbindet das komödiantische mit Gesangstalent. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob das Jodeln nicht Playback war. Wie auch immer, sein Auftritt war ausgezeichnet und das Berliner Publikum feierte ihn wie kaum einen zweiten an diesem Abend.

Ein weiterer herausragender Performer war Chris Oh!. Der Neuseeländer überzeugte mit einer tollen Ballett-Nummer die von Energie geladen bis gefühlvoll alles beinhaltete. Chris Oh! wurde seinen Vorschusslorbeeren voll und ganz gerecht. 

 

Die «The Odd Night» hatte aber noch mehr zu bieten. Zum Beispiel eine sehr düstere Performance von Amour van Dark. Die Deutsche war zu Beginn als Nonne verkleidet. Doch das Bild von der gottesfürchtigen Frau täuschte. Bald wurde das Kreuz auf den Kopf gestellt und der Habit (Nonnengewand) wurde abgelegt. Danach holte sie ein blutendes Kunstherz aus einer keinen Schatulle und rieb damit ihren Körper ein. Amour van Darks Performance war provozierend aber sehr geschmackvoll und stilvoll. 

Filmfans kamen bei Titsalina Bumsquash aus England auf ihre Kosten. Als Harry Potter verkleidetet wirbelte sie über die Bühne und hatte zugleich mit einem Künstlichen Arm zu kämpfen der ihr an die Wäsche ging. Titsalina Bumsquash Britischer Humor ist sicher gewöhnungsbedürftig, machte aber Spass und bot gute Unterhaltung.

Ein Wiedersehen gab es mit dem Host des Vorabends, Desmond O’Connor. Das Multitalent spielte mit der The Sazerac Swingers Band einen Song auf seinem Saxophon, aus dem immer wieder Flammen schossen. Das Ganze wirkte sehr spektakulär, lenkte aber auch von der Musik ein wenig ab. Für The Sazerac Swingers war es ein spezieller Abend, da sie nach der Show ihr neues Album «Put the Jazz back in Jazz» taufen durften. 

 

 

The Odd Night war eine etwas andere Burlesque Show, die man so sicher nicht jeden Tag sieht. Zugleich wurde einem bewusst, dass die Kunstform Burlesque viele verschiedene Gesichter hat und nicht nur aus Riesenfächer, Glitzer und Federboas besteht. So wurde der zweite Abend zur erfrischenden Abwechslung mit vielen kreativen Künstler/Innen, die stets für beste Unterhaltung sorgten. 

20. Oktober 2018

The Even Night

 Varieté Wintergarten

Alles schöne geht irgendwann dem Höhepunkt und dem Ende entgegen. Der dritte Abend am Berlin Burlesque Festival stand im Zeichen einer klassischen Burlesque Revue, sprich der einzige etwas «durchgeknallte» war Host Reuben Kaye. Der Australier ist eine exzellente One Man Show. Singen, tanzen oder einfach seinen Schabernack mit dem Publikum machen, er beherrscht es wie kaum ein zweiter. Bei seinem Auftritt ist einiges einstudiert und vieles improvisiert. Der Wechsel zwischen den beiden Elementen geht aber fliessend und ist nur erkennbar, wenn man Reuben schon mehrmals gesehen hat. 

Der Samstagabend bot viele Highlights, besonders sinnlich und poetisch war aber der Auftritt der Lausannerin Dicky Minousky mit ihrem Ball. Dicky bewegt sich fast schwebend über die Bühne des Varieté Wintergarten, ohne den Kontakt zum Publikum zu verlieren. Die Schweizerin lädt zum Träumen ein und verführt im Handumdrehen den ganzen Saal. Man könnte Dicky die ganze Nacht zusehen. 

Eine weitere grossartige Performance bot die Japanerin Bonita Bonbon. Mit ihrem Kimono zeigte sie eine elegante Nummer, die natürlich an ihre Heimat erinnerte. Ebenfalls ihre Papierschirme passten da sehr gut dazu. Die hübsche Japanerin kann sich zudem sehr gut bewegen und so wurde man Zeuge einer wunderschönen Burlesque Performance.

Mit einem imposanten Kostüm betrat die Schwedin Harley Queen die Bühne, das sie langsam ablegte. Darunter hatte sie einen mit LED-Lichtern bestückten Umhang, den sie umherwirbelte. Harley trat im Frühling bereits am Burlesque Festival in Hamburg auf. Schon damals machte sie Lust auf mehr. Umso schöner, dass man ihre tolle Performance noch einmal in Berlin sehen durfte.

 

Neben all den grossartigen internationalen Künster/innen durfte man natürlich auf die Gastgeberin und «Queen of Burlesque Germany» Marlene von Steenvag gespannt sein. Die Meisterin enttäuschte nicht. Marlene verband Video-Animation mit einem asiatischen Kostüm und zum Schluss plantschte sie noch in einem grossen Sektglas. Eine pompöse und beeindruckende Performance, die das ausverkaufte Varieté zum Staunen und Jubeln brachte.

Als Zugabe folgte ein weiterer sensationeller Auftritt von Chris Oh!. Der Mann ist eine Klasse für sich wie er sich bewegt und das Publikum sofort mitreisst. 

Danach kam das, worauf man sich am wenigsten freute: das Ende der Show. 

Drei Tage wurde man am Berlin Burlesque Festival auf aller höchsten Niveau unterhalten. Die Mischung aus klassischem Burlesque und Verrücktheiten aus der Neo Burlesque-Ecke war wunderbar. Dazu ein tolles Publikum, das die Künstler zu Höchstleistungen trieb. 

Was will mal da noch mehr? Genau sich auf die nächste Ausgabe vom 17.-20. Oktober 2019 freuen.

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