13.-14. Juli 2018 Summer Stage

Park im Grünen

Münchenstein/Basel

Freitag 13. Juli 2018

Einst wurde der Park im Grünen als «Grün 80» zwecks einer Gartenschau angelegt. Heute ist die idyllische Anlage mit kleinen Erhöhungen ein beliebtes Ausflugsziel für Familien und Blumen-Liebhaber. Ein mal im Jahr verwandelt sich die Wiese hinter dem Teich in ein schmuckes Festivalgelände. Grosse Namen wie die Söhne Mannheims mit Xaver Naidoo, Passenger oder die Basler Lokalmatadoren von den Lovebugs standen schon auf der Bühne. Dieses Jahr durfte man sich auf Pop und Schlager und auf einen rockigen Abend freuen. 

Den Anfang machte die 18-Köpfige Formation Boxitos, ein Projekt der Eingliederungswerkstätte Baselland. Dabei sind junge Menschen mit einer Körperlichen oder Geistigen Beeinträchtigung. Ihre Musik ist eine Mischung aus Rap und World Music. Das Schöne an diesem Projekt, es fragt niemand nach der Qualität, man staunt einfach über die Begeisterung dieser Gruppe. 

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Der Vater ist Ägypter, die Mutter aus München. Kaled ist in München aufgewachsen und musikalisch ist er irgendwo zwischen typischem Singer-/ Songwriter und Pop im Stile von Mark Forster. Die überraschend deutlich und gut verständlich bayrisch gesungenen Texte erzählen aus dem Leben. Nicht gejammert, aber gut erzählt und zum Nachdenken animierend. Für ein Festival recht schwere Kost, die nicht allen zusagte. Aus diesem Grund bildeten sich vor den Essensständen Warteschlangen. Die Verpflegung am Summer Stage ist einfach, preiswert, qualitativ sehr gut und vor allem vielfältig. Währschafte Älplermagronen sind genau so zu haben wie Pizza, Bratwurst und die obligaten Hamburger. Hinter den Ständen wurde speditiv gearbeitet. Ein Kompliment an das tolle Bar Team.

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Ben Zucker machte seinem Nachnamen alle Ehre: zuckersüsse Schlagersongs mit viel Energie vorgetragen Der Mann aus Freising, einem Vorort von München, packte das Publikum mit seinen eingängigen Melodien. Besonders beim zahlreich anwesenden weiblichen Publikum sah man einige mitsingen. Zucker hatte das Publikum auf seiner Seite und trieb das Stimmungsbarometer weiter nach oben. Es war also alles bereit und das Publikum bestens auf den Hauptact eingestimmt.

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Es stellte sich also die Frage was den drittjüngste Sprössling der Kelly Family, Michael Patrick «Paddy» Kelly, zu bieten hat? Sein Aktuelles Album «ID» ist nicht der Kelly Family-Sound und auch nicht voll gepackt mit ruhigen Songs aus dem Kloster, welches sechs Jahre in Frankreich sein Zuhause war. Der Albumtitel steht für Identität und hat ganz schön gepfefferte Songs. Sein Opener «Lazarus» versprach da schon einiges. Im gleisenden Licht stand Kelly, erhöht sang er gestenreich die ersten Strophen, um dann die Treppe herunter zu hüpfen und an den Bühnenrand zu sprinten. Einen solch fulminanten und theatralischen Auftritt hätte ich nicht erwartet. Es folgten weitere Titel vom aktuellen Album und mit «Flag» vom ersten Album «Human», das nach seiner Zeit im Kloster 2015 erschien, ein etwa älteres Stück . 

Das Kelly Spass am musizieren hat, war unverkennbar und richtig ansteckend. 

 

Er wusste genau was seine treuen Fans wollen. Gut gelaunt, fragte er etwas ironisch, ob Leute da seien, die ihn schon kannten als er noch süss war. Die Antwort konnte nicht überraschen. Natürlich wollten die Fans ebenfalls seine süssen Lieder wie er sie nannte hören. Es folgte mit «An Angel», «One More Song» und «One More Freaking Dollar» ein kleines Medley aus Kelly Family-Zeiten. Dies war aber der einzige Ausflug in die Vergangenheit.
Michael P. Kelly lebt nicht in der Vergangenheit und machte mit dem Medley seinen Fans einen Gefallen - mehr nicht. 

Seine Ansagen waren immer in Deutsch, womit er bei mir noch mehr Sympathiepunkte abholte. Er ist gebürtiger Ire, lebte aber lange Zeit in Deutschland. 

Sein Auftritt bei einer unteranderem Dank ihm sehr erfolgreichen TV-Serie, die Rede ist von «Sing meinen Song«, wurde ebenfalls angesprochen. So wie er erzählte war es auch als Profimusiker nicht ganz einfach, fremde Songs von Kollegen, die er zu Beginn nicht kannte, auf sich selber zu arrangieren. Da kam doch noch der sanfte Kelly zum Vorschein. «Memories», ein Cover von Gentleman, gab einem Zeit zum Durchatmen. Bekanntlich ist Kelly ein sehr gläubiger Mann, deshalb traute er sich nach «Flüsterton» von Mark Forster eine Gedenkminute einzulegen. Untypisch für ein Rockkonzert, aber ein ganz besonderer Moment, den man nur schlecht beschreiben kann. Es zeigt eben auch, dass Kelly anders als andere Künstler ist. Mit einer Herzlichkeit und offenen Art gewinnt er mancher Skeptiker für sich. 

Tag eins am Summer Stage Festival war durchwegs ein tolles Erlebnis.

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Samstag,14. Juli 2018 

 

Noch zaghaft wagte sich das Festival Publikum auf das Gelände mit der kleinen Anhöhung, die perfekte Sicht auf die Bühne bot. Die Lausanner Indie-Rockband Polar Circle, hatte die undankbare Aufgabe schon 15 Minuten nach Geländeöffnung aufzutreten. Die Newcomer aus der Romandie liessen sich nicht beirren und zeigten einen soliden Auftritt.

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The Weight hatten an diesem Samstag von Wien nach Basel  die weiteste Anreise. Glücklicherweise haben auch die Besucher/Innen den Weg in den Park im Grünen gefunden. Ausgerüstet mit Picknick Decken, machten es sich die Zuschauer gemütlich. Eine Eigenheit des Festivals, die aber sehr sympathisch wirkt. 

The Weight zeigten bei glühender Hitze eine Energie geladene Show. Musikalisch sind sie nahe beim Psychedelic Rock der 70er-Jahre im Stile von Led Zeppelin. Die Österreicher liesen sich bei der Ausrüstung nicht lumpen und setzten voll und ganz auf Verstärker aus dem selben Jahrzehnt wie bei ihrer Musik. The Weight ist eine spannende Band mit viel Potenzial. Für ein Publikum das vor allem für die nachfolgenden Bands wie Hecht und Baba Shrimps kam, war es aber zu schwere Kost. 

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Die deutlich kürzere Anreise aus Freising, einem Vorort aus München, hatten die Jungs von The Burning Balls. Eine recht coole Rockband, die aber das Publikum nicht wirklich packen konnte. Sänger Matthias Eder und seine Männer rockten zwar mit viel Energie, mehr als ein paar wippende Beine und Höflichkeitsapplaus bekamen sie nicht zurück. 

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Eine Zürcher Band auf Basler Hoheitsgebiet, darf man das? Natürlich. Baba Shrimps sind bereits Schweizer Kulturgut und überzeugen mit immer weiterentwickeltem Indie-Rock auf den grössten Schweizer Festivalbühnen. Leichtfüssig und mit eingängigen Melodien setzten sie Ihre Erfolgreiche «Road to Rome» Tour im Park im Grünen fort. Ich hatte Baba Shrimps weniger elektronisch in Erinnerung. Spass machen die drei Zürcher aber immer noch. Leider kämpften auch sie gegen ein müdes Basler Publikum, das immer noch auf den Decken sass und auf Hecht wartete. 

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Um 20:00 Uhr war es dann doch noch so weit und die Zürcher «Knochenfische» betraten unter grossem Jubel die Bühne. Der hintere Teil am Hang wusste noch nicht so recht was sie wollen. Es brauchte doch das eine oder andere Stück, um das Publikum auf Touren zu bringen. Stefan Buck (Gesang und Gitarre) erkannte dies aber schnell und baute viele Interaktionen ein. Mit der Vorstellung von Keyboarder Daniel «Gisi» Gisler hatten Hecht endgültig alle auf ihrer Seite. Gisi spielt nämlich nur sein Solo, wenn das Publikum so richtig mit ihm zusammen durchdreht. Was dann folgte, war einfach nur Spass pur: Mit seinem tragbaren Tasteninstrument wirbelte er über die Bühne, legte sich spielend auf den Rücken und kletterte danach die Verstrebungen hoch. Der sonst zurückhaltende Musiker nutzte die kurze Zeit und weckte das Tier im Manne. Natürlich durfte eine Tanzeinlage im Publikum nicht fehlen. Hecht spielten sehr gekonnt mit dem Publikum und erzeugten eine grandiose Partystimmung. Kein Wunder war ihre «Oh Boy»-Tour im Frühling restlos Ausverkauft und für die angekündigte Tour im Herbst muss man sich ebenfalls beeilen, wenn man noch ein Ticket will. Sicher ihr poppiger Mundartsound klingt simpel. Das drumherum macht aber richtig Spass. 

Eine Stunde und 15 Minuten sowie ein Konfettiregen später war das Spektakel schon vorbei. Schön und anstrengend war es. Die vielen lachenden Gesichter und Zugabe-Rufe bestätigten aber, dass die Zürcher alles richtig gemacht haben.

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Die Temperaturen wurden etwas angenehmer und man konnte endlich etwas durchatmen, bis die Schweizer Altmeister des Hardrocks, Gotthard, zwar nicht mit der Postkutsche auf die Bühne fuhren, jedoch auf Barhockern Platz nahmen. Im September 1997 brachten Gotthard mit «D-Frosted» ein hochgelobtes Unplugged-Album heraus. In intimer Atmosphäre wurde damals mit Kerzenschein und der unvergleichlichen Stimme von Steve Lee (2010 †) ihre damals aktuellen Songs richtiggehend zelebriert. 

Zugegeben ich war gegenüber dem Neuaufguss von «D-Frosted» sehr kritisch eingestellt. Nic Maeder überzeugte mich in der Vergangenheit mehr mit den Up Tempo-Nummern und dann soll er ein ganzes Konzert seine Powerstimme  zurücknehmen? Kann das wirklich gut gehen? Ja, kann es. Die neu arrangierten Stücke kamen druckvoll und sehr melodiös aus den Boxen. Die Band aus Lugano war zudem bestens gelaunt und zu allerlei Spässe aufgelegt. Der Australisch-Schweizer Doppelbürger Nic Maeder versuchte sich immer mehr mit deutschen Ansagen und wurde dementsprechend von seinen Kollegen aufgezogen.Das Publikum wurde so auch zwischen den Songs gut unterhalten. 

Plötzlich ging auf der Bühne das Licht aus und die Band verliess ihren Arbeitsort. Normalerweise ist das der Zeitpunkt für Zugaberufe. Doch das Publikum bleibt still. Was war passiert? Bassist Marc Lynn trat ans Mikrophon und erklärte, dass es in den vorderen Reihe einer Person nicht so gut gehe. Man gebe der Sanität Zeit um ihre Arbeit zu machen und werde das Konzert in Kürze fortsetzen. Natürlich gab es für diese Aktion Applaus. Mit besten Genesungswünschen wurde das Konzert später fortgesetzt. 

Neben neuen Songs wie «C’est la vie» standen natürlich auch die alten Gassenhauer wie «Mountain Mama» und «Sister Moon», mein persönlicher Favorit, auf der abwechslungsreichen Setlist. Gotthard so zuhören machte überraschenderweise richtig Spass. Das Konzert wurde – wie alle anderen Konzerte auf der Tour – aufgezeichnet für das kommende Live-Album «D-Frosted 2 – Live and Unplugged». 

Das wars dann von meinem ersten Besuch am Summer Stage Festival. Die zwei Tag im Park im Grünen waren ein tolles Erlebnis. Aufgefallen ist vor allem der hervorragend abgemischte Sound in einer angenehmen Lautstärke. Zu der entspannten Stimmung trug natürlich das perfekte Wetter seinen Teil bei. Leider waren die zwei Tage mässig besucht. Dennoch darf der Veranstalter zufrieden sein, manchmal ist weniger mehr und in diesem Fall perfekt. 

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Verschoben auf 9. Okt.2021