6. April 2019

Ohh! lala Cherie

Klub Plaza Zürich

!!!Sold Out!!!

Es ist der erste Samstag des Monats. Das heisst soviel wie Ohh lala Cherie im Plaza Klub Zürich.

In den neun Jahren, seit die Show existiert, hat die Burlesque Szene einen grossen Wandel gemacht. Zu den den Anfangszeiten waren es die Rockabillys und Rockbellas, die das Plaza besuchten. Heute ist es eine eigene Szene, die stetig wächst. Das ist gut so, die Kunst des Schönheitstanz soll für alle zugänglich sein. Ob Tänzerin oder einfach Neugierige, die von der Freundin davon hörten, wer Spass am Varietee hat, ist im schönsten Klub Zürichs bestens aufgehoben. 

Neben altbekannten Künstlerinnen wie Misty Lotus und Host Jack Woodhead durfte man sich einmal mehr auf neue, noch nie gesehene Performer freuen. 

Aber wie mein Werklehrer zusagen pflegte: «Eini nach der andere wie z Paris». Dennoch werde ich mit dem Hahn im Korb anfangen: Jack Woodhead ist ein grossartiger Entertainer, stammt ursprünglich aus Manchester, lebt aber schon länger in Berlin. Jack ist ein Travestie-Künstler der immer auf’s Neue mit seinen Songs, die er am Klavier / Keyboard begleitet, begeistert. Seine Texte sind der Reaktion des Publikums zu folge lustig, wenn leider auch sehr schwer zu verstehen. Die Pointen funktionieren ausschliesslich auf Englisch, demzufolge kann ich hier kein brauchbares Beispiel liefern. Mein English for Runaways (Englisch für Fortgelaufene) reicht da leider nicht. 

Jack Woodhead führte mit viel Tempo durch den Abend und hatte das Publikum fest im Griff.

 

Als grosser Headliner und Highlight des Abend wurde Miss Tosh angekündet. Sicher ist sie ein grosses Talent und das was und wie sie es macht hat grossen künstlerischen Wert. Nur waren in diesen Fall die Vorschusslorbeeren weit grösser als das was man vorgesetzt bekam. Amerikanische Performer haben meist grosse Bühnenbilder die, wie alles in den USA, vor allem verrückt gross und man schlecht über den Teich zu transportieren sind. Deshalb musste Miss Tosh mit weniger auskommen und sich auf ihr tänzerisches Können verlassen. Mich konnte dies nur bedingt überzeugen, ich wage sogar von einer verzweifelten Dita von Teese-Kopie zu sprechen. Wie bei der «Übermutter» des Neo Burlesque, Dita, fehlte mir bei Miss Tosh das Spiel mit dem Publikum Es fühlte sich an wie wenn eine Scheibe am Bühnenrand wäre. So lag es nicht an der Amerikanerin, dass man im Plaza Klub eine sehr attraktive Show sehen durfte, es sprangen andere in die Presche. Allen voran Aurora Nova, die Australierin war an diesem Abend tänzerisch das Mass aller Dinge. Sie zeigte eine tolle Mischung aus klassischem Ballett und modernen Tanzelementen und wirkte immer sehr elegant. 

Ebenfalls waren ihre Acts sehr gut und spannend inszeniert. Man spürte, dass sich Aurora Nova sehr wohl auf der Bühne fühlte und Spass mit dem Publikum hatte.

 

Ein Garant für heisse Performances im Wahrsten sSinne des Wortes ist Misty Lotus. Die Westschweizerin liebt zum einen das Spiel mit dem Feuer und beherrscht es auch sehr gut. Zum anderen überrascht das Multitalent (sie produzierte schon diverse Shows in der Westschweiz und in Berlin und seit Anfang Jahr betreibt sie die Swiss Burlesque Academy in der Westschweiz) immer wieder mit unglaublichen Kostümen. Sei es zum Thema Drachen oder wie dieses Mal zum Film Eyes Wide Shot von Meisterregisseur Stanley Kubrick. 

Leider kann ich wegen technischen Problemen beim Exportieren der Fotos keine Feuerbilder zeigen. Ich bedaure dies sehr. 

Deshalb gibt es ein Bild von Mistys zweitem Act, der nicht weniger spektakulär war. «Peacock» ist eine Hommage an ihr ursprüngliches Heimatland Indien. Pfaue sind in Indien beheimatet und wurden oft in den oberen Gesellschaftsschichten in dem Gartenanlagen der Anwesen gehalten. Man nimmt diese Vögel vor allem wahr, wenn die Männchen ihr Federrad aufstellen. Dieses dient zur Balz und zur Abwehr von Feinden. 

Dieses Federrad ist natürlich auch Bestandteil des Kostüms von Misty Lotus. Zuerst gab es aber eine traditionelle Tanzperformance im Stile der Bollywood-Filme. Immer mehr entledigte sie sich ihrem Gewand, bis eben noch der Federschmuck da war. «Peacock» ist ein Act, der Misty sehr am Herzen liegt. Man sah, dass sie einmal mehr bis ins Detail die Performance plante.

Misty Lotus|©Stagetime.ch

Burlesque besteht bekanntlich nicht nur aus hübschen Kostümen und Swarovskisteinen. Im Burlesque darf es durchaus etwas bizzarer und grotesker zu und her gehen. Bestes Beispiel für diese These ist Katrina Lilwall, die vor der Pause eine Akrobatische Performance am Aerial Hammock, einem breiten Tuch, in diverse Figuren zeigte. Speziell daran war, das sie in Bodenähe performte. Ihr zweiter Act war bizzarer und traf nicht bei allen Besucher/Innen den Geschmack. Zuerst verzierte sie Ihren Körper mit Wäscheklammern. Danach steckte sie in die Klammern Kerzen die man vom Geburtstagkuchen kennt. Das ganz hielt nicht so richtig und deshalb brach sie diesen Teil des Act kurzum ab. Als Finale übergoss sie ihren Körper mit Wachs. Sicher war diese Nummer reine Geschmacksache. Mir hat dieses Performance gefallen, weil man es nicht allzu oft sieht.

Katrina Lilwall|Stagetime.ch

Über den ganzen Abend gesehen war es eine sehr unterhaltsame und abwechslungsreiche Ohh lala Cherie-Ausgabe. Und mit Bonnie Fleur als weitere Künstlerin sah man das weniger Vorschusslorbeeren manchmal gar nicht so schlecht sind. Überzeugen muss man das fachkundige Zürcher Publikum sowieso immer live. Bonnie Fleur gelang dies aber vor allem im zweiten Teil mit ihrem «Showgirl»-Act. Dort präsentierte sie nicht nur eine tolle Performance, sonder auch ein imposantes Kostüm wie es sich für ein echtes pariser Showgirl gehört. 

 

Am 4. Mai 2019 findet die letzte Ohh lala Cherie Revue vor der Sommerpause statt. Es wird zum zweiten Mal eine Special Show als Zurich Burlesque Festival sein. Für alle die ihr Ticket schon haben - gut gemacht! Für die anderen, sorry ihr seid zu spät, das Plaza ist bereits ausverkauft.

All Pictures © Christoph Gurtner

Ohh! Lala! Cherie! at Plaza Zürich

Art Director: Emma Mylan 

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