1.Titelbild|Kiss|©Stagetime.jpg

7. Juli 2022
Kiss
Hallenstadion Zürich

Kiss und Abschiedstouren sind ein heiss diskutiertes Thema. Die Glam Rock Band hat schon zu oft ihr Ende angekündigt um dann grösser und besser zurückzukommen. 2019 startete die End of the Road World Tour und dank der Pandemie ist der Weg noch nicht zu Ende und führt Kiss für einen wirklich letzten(?) Abschiedskuss nach Zürich.

Bevor es aber die Amerikaner krachen liessen, kam eine andere Legende, die mit Krokus schon Adios Amigos gesagt hat. Marc Storace, geboren in Malta, lebt schon lange in der Schweiz und ist einer der bodenständigsten Künstler, die mir bekannt sind. 
Mit seiner Band Storace mischt er zur zeit die Clubs und Festivals auf. Zum Teil mit Songs seines Solo Debüt Album «Live and Let Live» zum Teil mit alten Krokus Songs. 
Storace hat eine grossartige Stimme und seiner Band  bestehend aus Turi Wicki (Lead Gitarre), Dom Favez (Rhythmus Gitarre), Emi «Bassbabe» Meyer und Pat Aeby (Schlagzeug) merkt man, dass er immer noch ein grosses Publikum mitreissen kann. 
Das bereits anwesende Publikum hat er auf seiner Seite und die ewigen Nörgler und Kritiker tranken ihr Bier noch im Foyer. So waren alle zufrieden.

1.text|Storace|©Stagetime.jpg

Es wurde 21:00 Uhr und aus den Boxen dröhnte Led Zeppelins «Rock and Roll». Mitten im Song kreisten die Follower Scheinwerfer über das Publikum und über den grossen Schriftzug, der auf einem grossen Vorhang vor der Bühne zu sehen war.
Auf der Leinwand gab es die obligate «Live» Schaltung in die Katakomben des Hallenstadion. Ich behaupte ja, dass es eine Aufzeichnung war, da die Bewegungen und die anderen Leute, die dort zu sehen waren, immer am selben Ort stehen wie bei den letzten drei Konzerten, die ich von Kiss gesehen habe. Das wäre schon ein zu grosser Zufall.

"All Right Zurich You want the best You Got the Best!
The Hardest Band on the World"

Ebenfalls ein Ritual sind die schon legendären Worte: «All Right Zurich You want the best You Got the Best! The Hardest Band on the World Kiss»
Die treuen Fans sprechen diese Worte jeweils mit bevor der Vorhang fällt und der Lärmpegel in der Halle den vorgeschriebenen dB Wert von 100 überschreitet.
Böller und viel Feuer begleiten Paul Stanley (The Starchild), Gene Simmens (The Demon), Tommy Thayer (The Spaceman) und Eric Singer (The Catman), wenn sie vom Hallendach auf die Bühne schweben, als kämen sie von einem anderen Stern.

Die New Yorker beginnen ihr Hit-Feuerwerk (Bei keiner anderen Band passt dieser Ausdruck besser) mit «Detroit Rock City». In diesem Moment rockt Zürich aber auch nicht schlecht.
Die  Herren mit schon 70 und mehr Jahren Lebenserfahrung geben vom ersten Ton alles. Sie posieren, sie stampfen mit ihren Plateauschuhen über die Bühne und heizen das Publikum an. 
Es ist eine Show für die Fans und was die wollen wissen Kiss genau: Feuer und Rock Sound. Da war «Cold Gin» vom Debut Album «Kiss» (1974), «War Machine» von der «Creatures of the Night» LP aus dem Jahre 1982 oder aus diesem Jahrhundert «Say Yeah» aus dem 2009 erschienenen Album «Sonic Boom».
Dazu gab es jede Menge Feuer und Videos aus den Anfangszeiten von Kiss Mitte der 70er Jahre.
Natürlich spuckt Bassist Gene Simmons Feuer und beim Intro/Bass Solo zu «God of Thunder» Blut bevor es auf einer Plattform unter das Hallendach geht. Hoch über der Bühne performt er den erwähnten Titel. 

Auffällig war, das Tommy Thayer präsenter in Szene gesetzt wurde als in der Vergangenheit. Seine Fähigkeiten an der Leadgitarre zelebrierte er mit Feuereffekten bei seinem Solo. Unterstützt wurde er dabei von Schlagzeuger Eric Singer. Um ein Rockkonzert abzurunden, ist ein Schlagzeugsolo natürlich ein fixer Programmpunkt. Singers grosser Moment war aber die erste Zugabe, als er aus dem Bühnen Boden, am Flügel sitzend empor kam und alleine «Beth», die einzige Ballade des Abends, gesungen hat.

Es war wirklich wie immer und das ist nicht negativ gemeint. Wer über 45 Jahre auf der Bühne steht und immer noch die Hallen und Festivals zum Kochen bringt, macht alles richtig.
Aber fehlt da nicht noch etwas? Richtig, Paul Stanley flog quer durch die Halle auf die B-Stage und gab einen meiner Lieblingssongs «I was Made for Loving you» zum Besten, optisch untermalt mit einer unauffälligen Laser Show. Laser scheinen das neue Feuer bei Kiss zu sein. immer wieder kam dieser Lichteffekt zum Einsatz. Als er zurück auf die grosse Bühne kam, flog ihm noch ein BH entgegen. Er bracht ihn hinter die Bühne und wusste nicht so recht, was er jetzt sagen sollte. Es blieb bei einem leicht sarkastischen «Thank you».
Sehr ernst gemeint dagegen waren die Worte die er an die Tochter von Gene richtete. Er gratulierte einerseits zum Geburtstag und sei sehr stolz auf sie. Das man da noch ein Happy Birthday anstimmte war ja klar. Sofie, die mit Freunden ihren 30igsten und Ihre Verlobung feierte, war sichtlich von diesem bierseeligen Gesang gerührt. 

War es das jetzt wirklich? Ist die Strasse für Kiss zumindest in Zürich zu Ende? Sie sind am längst ausverkauften Paleo Festival in Nyon zu sehen aber dann…?
Wenn es das ende sein sollte, ist es ein Happy End und ich bin glücklich, es erlebt zu haben.