Hollywood Vampires

3. Juli 2018

Hollywood Vampires

Samsung Hall

Zürich

Pünktlich um 20:00 Uhr startete der Schweizer Support Act Felskinn. Die Luzerner Metalband fakelte nicht lange, legte gleich richtig los und versuchte das Publikum vom Teenie bis Altrocker für sich zu gewinnen. Die Power und Energie des Heavy Metal mit deutlichem Einfluss von Iron Maiden waren auf der Bühne in Form von Sänger Andy Portmann deutlich zu spüren. Gerade in den vorderen Reihen bei den Johnny Depp-Fans sprang der Funke jedoch nicht ganz über. 

Nach zwei sehr guten, harten Songs spielten Felskinn ihre aktuelle Single «Our Favourite Game», eine langsamere radiotaugliche Rockballade. Die Jungs vom Vierwaldstättersee wollen klar den kommerziellen Erfolg, deshalb wohl dieses in bester «Gotthard Hausfrauenrock»-Manier gehaltene, ruhigere Stück. 

Den Erfolg mag man den sympathischen und sehr talentierten Musikern sicher gönnen. Ihre harten Stücke unterhalten sicher mehr und passen besser zu Felskinn. Nach 30 Minuten räumten die Luzerner die Bühne. 

Die 30 Minuten Umbaupause fühlten sich wie eine Ewigkeit an. Die Stimmung war aber trotz der Hitze in der Halle sehr gut. Auch den Damen am Merchandising-Stand war es nie langweilig.

Dass die Halle doch noch ausverkauft war, haben die Veranstalter wohl Johnny Depp zu verdanken. Wer wegen der Musik und nicht wegen dem Glamour-Faktor kam, war wohl vor allem auf das musikalische Talent des Hollywoodstars gespannt. Das Alice Cooper und Aerosmith-Gitarrist Joe Perry nichts mehr im musikalischen Bereich beweisen müssen, versteht sich von selbst. Aber was ist von dieser als Supertruppe verschrienen Band wirklich zu erwarten? Ihr Konzept ist einfach: sie spielen Cover-Songs von Künstlern, die wegen ihrem exzessiven Lebensstil nicht mehr unter uns weilen. Eine Huldigung an Sex, Drugs and Rock and Roll. Grundsätzlich nerven mich Cover-Songs an Konzerten von gestandenen Künstlern, hier ist aber alles anders. Neben fremde Songs wie der David Bowie-Klassiker «Heroes» gesungen von Johnny Depp oder das Highlight des Abends «Ace of Spade» von Motörhead, gesungen von Bassist Chris Wyse, der ebenfalls bei Alice Cooper in der Band ist. Als das Bild von Lemmy Kilmister auf der LED-Wand erschien, hiess es für einmal Horns up statt Handy on. Ein schönes Bild aus den hinteren Reihen. Das waren dann wohl die Musikfans, die kamen an diesem Abend definitiv mehr auf ihre Kosten kamen, gegenüber denen die nur den Hollywoodstar sehen wollten. Sicher, Depp machte seinen Job lässig und gut. Den anderen beiden Gitarristen, Joe Perry und Tommy Henriksen, ebenfalls aus der Cooper Band, konnte er logischerweise nicht das Wasser reichen. Sein verschmitztes Lächeln sah man aber bei Depp immer wieder. Spass an der Sache stand bei ihm wohl im Vordergrund. Er wirkte viel gesünder als erwartet. Erst kürzlich erzählte er in einem Interview, dass er die Trauer über die Trennung von seiner Frau Amber Heard schon zum Frühstück mit Wodka ertränkte. Offensichtlich kämpft er sich mit der Musik und dem Tourleben aus dieser Lebenskrise. 

Hauptakteur und «Motor» der Hollywood Vampires war aber Alice Cooper. Stimmlich immer auf der Höhe, genoss er die Nähe zum Publikum und unterhielt auch zwischen den Songs immer wieder mit bösen Bemerkungen und sorgte so für einige Lacher. 

Joe Perry hielt sich dezent zurück, seine hässlich riechenden Zigarillos waren da präsenter in der Nase, als sein Gitarrenspiel. 

Neben wenigen eignen Songs wie «My Dead Drunk Friends» oder der Opener «I Want my Now» spielten die Vampire ebenfalls Songs von Perrys Band Aerosmith. Das etwas lange Intro zu «Sweet Emotion» tönte ganz ordentlich. Den Song schrieb Steven Tyler   nach der Geburt seiner Tochter Liv Tyler. 

Die 90 Minuten lange Show war musikalisch gesehen eine tolle Reise durch die Musikgeschichte mit grossem Unterhaltungswert. 

Glaubt man den Kommentaren auf Social Media, war die Mehrheit des Publikums begeistert und freut sich auf ein Wiedersehen mit Alice Cooper, Joe Perry und Johnny Depp. 

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