11. Januar 2019 

Fabe Vega 

Alte Land Vinelz

n einer Zeit, in der ständige Erreichbarkeit immer wichtiger wird und eine unendliche Informationsflut unser Leben beeinflusst, bleibt kaum Zeit, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. 

Besonders an Konzerten scheint das «Dabei sein» nicht mehr zu reichen. Dank der Kombination aus Smartphone und Social Media kann man in Sekunden allen zeigen, wo man ist und wie gut das Konzert ist. Eigentlich keine schlechte Sache. Aber nimmt man beim Bedienen des Telefons das Konzert noch war? Da zu kommt noch die Gruppe, die dem ganzen Saal ihre Sorgen und Nöte vom harten Arbeitsalltag mitteilen möchte. Schon wird dasWwichtigste an einem Konzert, die Musik, zur Nebensache. Oder noch schlimmer, rundherum fühlen sich Menschen gestört. 

 

Doch wie fühlt sich ein Konzert an, bei dem man nur hört und nichts sieht? 

Singer/ Songwriter Fabe Vega will mit seiner Blind Session-Tour durch die Schweiz und Lichtenstein das Experiment wagen und sagt «Licht aus, Musik an». Am Freitag 11. Januar war im kleinen Ort Vinelz, nahe des Bielersees, Start für das innovative Projekt. In der Alten Landi, dem Dorftreffpunkt, versammelten sich eine Handvoll Einheimische, die sich auf das Konzert ohne Licht freuten. Bevor Fabe Vega (Gesang, Gitarre) und Joel Allison (Bass) sich auf der kleinen Bühne einrichteten, gab es an der Bar eine blinde Bierdegustation. Obwohl ich den Gerstensaft sehr mag, verzichtete ich auf die Degustation, weil sich nach dem anstrengenden Tag und der langen Reise von fast drei Stunden langsam die Müdigkeit breit machte. Mir war es wichtig, hell wach für das Konzert zu sein. Da ist Bier trinken nicht die beste Idee. 

Um 20:45 Uhr bat eine Stimme ab Tonband die Gäste ihre Plätze bei gedämmter Beleuchtung einzunehmen. Selbst das Mischpult des Soundtechnikers bekam einen Kartondeckel, damit die Lämpchen nicht stören. Ganz dunkel war es dann doch nicht, da die Notausgänge leicht beleuchtet werden mussten. Man bekam dafür eine Augenbinde und ein kleines LED-Licht. Falls jemand mit der Dunkelheit nicht klar kam, konnte er so den Saal verlassen. Dies war zum Glück nicht nötig. Im Gegenteil, die Stimmung war sehr gut und man lauschte aufmerksam der Musik. Fabe präsentierte zwei Sets à 30 Minuten mit einer Kurzen Pause. Die brauchte es auch. Weil es dunkel war, strengte sich das Auge an, etwas zu sehen. Man konzentrierte sich aber auf das Hören und so war man 30 Minuten extrem gefordert. Die musikalischen Qualitäten und die kurzen Erzählungen von Fabe Vega zwischen den Songs, die mal langsam und mal temporeich waren, kamen in der Dunkelheit noch besser zur Geltung. 

Gespielt hat Fabe neben seinem Debüt «Wake up» von 2013 auch sein aktuelles Album «Ellipse» Das Konzeptalbum von 2016 besteht aus den beiden EP’s «Refelection» (Teil 1) und «Horizon» (Teil 2).

Fabe Vega (Das Bild wurde vor dem Konzert gemacht)

Das Bild wurde vor dem Konzert aufgenommen

Die Erfahrung, ein Konzert bei Dunkelheit nur zu hören, ist eine intensive Erfahrung. Sicher hätte es einen Vorteil, wenn man der englischen Sprache mächtig ist und die Erzählungen aus Vega’s Leben mit Höhen und Tiefen verstehen könnte. Dennoch wurde es nie langweilig, weil man sich ohne Ablenkung von blinkenden Lichtern ganz den Melodien hingeben konnte. 

 

Wer sich für diese nicht alltägliche Art von Konzert interessiert, hat noch ein paar Gelegenheiten. Die Tourdaten findet man hier.

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