Credit Baloise Session © bei Dominik Plüss

13. Oktober 2019

Herbert Grönemeyer und Alice Merton 

Baloise Session Basel

Als der Name Alice Merton bei der Medienorientierung der Baloise Session als Support Act von Herbert Grönemeyer gefallen ist, hatte ich keine Ahnung, wer das sein könnte. Zugegeben, ich höre extrem selten Radio und wenn, kann ich das Gehörte nicht einem Künstler zuordnen. Erst am Sonntagabend als mein Kollege gesagt hat, das Alice Merton in der aktuellenThe  Voice Of Germany-Staffel als Coach dabei ist, hatte ich das Bild der gebürtigen Deutschen, die ihre Kindheit in Kanada verbrachte, vor Augen und freute mich richtig, Ddie junge Künstlerin live zu erleben. 

Die Vorfreude wandelte sich kurz nach Konzertstart in pure Begeisterung um. Aufmerksame Leser/Innen wissen, dass Pop sonst nicht so meine Welt ist. Merton weiss aber, wie man ein Publikum mit vermutliche meist unbekannten Songs begeistert. Neu darf das tanzfreudige Publikum erst nach drei Songs, wenn die Fotografen ihre Arbeit getan haben, vor die Bühne um den Künstlern ganz nahe zu sein. Eine sympathische Regelung und sicher für die Stimmung am Konzert förderlich. Alice begrüsste die Fans dann auch freudig mit den Worten «Oh, i have a Crowd». Obwohl die 26-jährige Frau in Deutschland geboren ist und eigentlich Deutsch spricht, macht sie alle ansagen in Englisch. Eigentlich schade den ihr Akzent ist sehr charmant, wenn man sie in der oben erwähnten Castingshow sprechen hört. 

Obwohl einer ihrer Songs «Speak your Mind» heisst, ist singen ihre grössere Stärke und dafür kam sie auch nach Basel. Mit ihrer Band bestehend aus Bastian Voelkel (Keyboard), Simon Kramer (Guitar) und Lucas Heiby (Drums) spielte sie ein kurzweiliges Set. Mit viel Energie und einer vereinnahmenden Ausstrahlung gab es nach ihrem grossen Hit «No Roots» und dem letzten Titel «Why so Serious» stehende Ovationen - selbst vom sonst eher zurückhaltend sitzenden Publikum in den hinteren Reihen. An diesem Abend hat Alice Merton mindestens einen «Fan» dazu gewonnen. 

Herbert Grönemeyer hatte das Publikum schon vor dem Betreten der Bühne auf seiner Seite. Festival CEO Beatrice Stirnimann erzählte, das Grönemeyer nicht zum ersten Mal an der Baloise Session ist. Damals stellte er sechs Bands von seinem eigenen Label, Grönland Records, vor. Er Versprach irgendeinmal wieder ans Rheinknie zu kommen. 14 Jahre später war es endlich so weit. 

Gleich zweimal eröffnete er die diesjährige Baloise Session. 

Nach einem sehr langen Intro betrat zuerst seine Band die Bühne, bevor der Meister des sentimentalen Deutsch Rock die Bühne betrat und vom noch Sitzenden Publikum frenetisch empfangen wurde. 

Mit «Sekundenglück» startete der Bochumer mit einem Song von seinem sktuellen Album «Tumult». Das Glück in der ausverkauften Eventhalle der Messe Basel dauerte aber viel länger als nur Sekunden. Grönis Konzert war eine zwei Stunden kurze Zeitreise durch seine musikalisches Schaffen. Schon sehr früh brachte er seine Liebeserklärung an seine Heimatstadt, den Song «Bochum».

„Bochum, ich komm' aus dir

Bochum, ich häng' an dir

Oh, Glück auf, Bochum“

Herbert Grönemeyer ist für seine nachdenklichen Textzeilen in den Songs bekannt. Um so mehr war ich überrascht, dass er seine Lieder mit viel Witz und Selbstironie ankündete. 

Man habe anhand einer Umfrage herausgefunden, dass ein paar wenige Fans wegen den Texten an seine Konzerte kommen würden, ein noch kleinerer Prozentsatz komme wegen der Musik, aber die meisten würden kommen, weil er so phantastisch gut aussehe, witzelte Grönemeyer. Nach dieser Ansage folgte ein Medley mit «Männer», «Was soll das» und «Vollmond». Zu diesem Zeitpunkt brannte die Luft in der Halle schon. Vor der Bühne wurde ausgelassen getanzt und lautstark mitgesungen. 

Grönemeyer war stets mit dem Publikum auf Augenhöhe, der 53 Jährige rannte von einer Ecke der Bühne zur anderen. Immer wieder stellte er sich ans Keyboard und begleitete sich selber. Nach eigener Aussage spiele er gerne «unbekannte» Stücke wie zum Beispiel «Mensch», legte los und machte einen Ausflug ins Publikum zu den Menschen, die ihn wohl schon zum Teil seit Beginn seiner Kariere begleiten. 

Als alter westfälischer Eisbär dürfe er hier in Basel seit seinem Ankommen sehr viel herzliche Gastfreundschaft erleben und bedanke sich herzlich bei den Machern der Baloise Session. 

Der Musiker und Schauspieler (Bekanntester Film: «Das Boot») wolle hier von dieser Herzlichkeit etwas zurückgeben. Es sei nicht ganz leicht, dies immer zu zeigen. Der Eindruck täuschte. Wenn man Herbert Grönemeyer beobachtete, sah man einen grossartigen Menschen, der mit viel Freude seine Arbeit macht. Das er nicht immer bei den Themen, die er in seinen Lieder anspricht, lachen kann, versteht sich von selbst. Er habe noch nie eine so angespannte Stimmung in Deutschland erlebt. Aber genau jetzt sei der Moment hin zu stehen und keinen Millimeter nach rechts zu rücken. «Keinen Millimeter nach rechts» ist eine Textzeile aus dem Song «Fall der Fälle» vom «Tumult» Album. 

Nach unglaublichen 29 Songs, war dann um 23:30 Uhr doch Schluss. Nicht nur das Konzert, sondern auch die aktuelle «Tumult»-Tour, die Gröni viermal in die Schweiz brachte, war damit beendet. 

Herbert Grönemeyer ist nicht nur eine grosse Party, es ist ein fast unbeschreibliches Konzerterlebnis. Die Nähe zum Publikum, die angesprochene Selbstironie und die hervorragend gespielte Musik seiner siebenköpfigen Band machten den Abend zu etwas ganz Besonderem. 

Leider durfte ich keine Fotos von Herbert Grönemeyer machen. 

Ich bedanke mich herzlich bei der Baloise Session und beim Festival Fotografen Dominik Plüss, 

dass ich ein Foto verwenden darf und das Konzert besuchen durfte.

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