13. Juni 2018

Foo Fighters

Stade de Suisse 

Wankdorf Bern

Das Berner Wankdorf Stadion war noch recht leer als die erste Band, Wolf Alice aus dem Norden von London, die Bühne betrat. Sicher keine leichte Aufgabe, sich da zu motivieren und einfach eine perfekte Show hinzulegen. Sängerin und Gitarristin Ellie Rowsell wirkte dementsprechend gut gelaunt und ein Lächeln war schon viel verlangt. Der Funke sprang während der ganzen Spielzeit nicht auf das Publikum über. Wolf Alice funktionieren hervorragend in kleinen Clubs, wenn sie nahe beim Publikum sind. Das Schweizer Nationalstadion ist für das Quartett eine Nummer zu gross.

Ganz anders kam das Duo The Kills, ebenfalls aus London, auf die Bühne. Rebellisch rauchte die Wasserstoff-Blondine Alison Mosshart beim Intro noch eine Zigarette und schüttelte nebenbei ihre Mähne. 

Die Frau machte richtig Laune und wusste wie sie das Publikum für sich gewinnen konnte. Das Stadion füllte sich langsam, so war es für The Kills einfacher, aber sie hatten musikalisch mehr Wucht. Ihr Indie-Rock überzeugte mit viel Rhythmus und einer Frontfrau, die sich bewegte und viel Emotionen auf der Bühne zeigte. The Kills gründeten sich im Jahr 2000 und in der Szene haben sie bestimmt ihre Fans. Toll, dass sie sich hier in Bern einem grösseren Publikum zeigen konnten bei denen sie noch nicht bekannt sind. Für den einen oder anderen Besucher sicher eine Entdeckung.

Inzwischen wurde es im Infield eng, man freute sich auf Dave Grohl und die Foo Fighters. 

Mit ein paar wenigen Minuten Verspätung rannte der ehemalige Drummer von Nirvana auf die Bühne und wurde von tausenden Händen frenetisch empfangen. Wow! Was für eine Bühnenpräsenz. Passend zum Opener «Run» vom aktuellen Album «Concrete and Gold» rannte er von der linken Bühnenseite zu rechten und begrüsste seine Schweizer Fans. Nach den Dave Grohl 2015 kurz vor seinem Schweizer Gastspiel von der Bühne fiel und wegen einem gebrochen Bein das Konzert absagen musste, stellte er seine treue Anhängerschaft auf eine dreijährige Geduldsprobe. Man merkte ihm an wie er die Stadien und das grosse Publikum vermisst hat. Da war eine unglaubliche Energie, eine Power, die ich in meine vielen Konzertbesuchen selten so erlebt habe. 

Foo Fighters machen ihrem Namen als Stadion-Rockband alle Ehre. 

Bereits  der dritte Song ist der Klassiker «Learn to Fly» vom dritten Studio Album «There Is Nothing Left to Lose» von 1999. Das Album erreichte in den ersten Wochen in den USA und Grossbritannien Platz 10. 

Die Band bringt viel Abwechslung, von langsameren Songs zu richtigem Grunge ist alles dabei. Leider, und man möge mir verzeihen, das ich Coversongs von Bands ihrer Grösse einfach an Konzerten überflüssig finde, gab es auch ein paar fremde Songs zu hören. Es waren allerdings nur kurze Snippets von «Another One Bites the Dust (Queen),  «Imagine» (John Lennon),« Jump» (Van Halen) und «Blitzkrieg Bop» (Ramones)». Danach setzte sich Grohl hinters Schlagzeug und der Drummer Taylor Hawkins übernahm für das nächste Cover von Queens bzw. David Bowies «Under Pressure» das Mikrophon. So muss ich sogar meine Meinung betreffend Coversongs widerrufen. Die gehörte Version war zwar etwas gekürzt jedoch mit der unverkennbaren Foo Fighters Power vorgetragen. Da zu kommt noch das man nicht alle Tage zwei Hervorragende Drummer auf der Bühne hat und beide sehr gut singen können. 

Ebenfalls sympatisch war der Gastauftritt von Alison Mosshart (The Kills), die zusammen mit Grohl  «La Dee Da» sang, das wiederum vom aktuellen Album stammt. 

Auf der Zielgerade eingebogen, spielten Foo Fighters natürlich als Höhepunkt «Best of You» aus dem Album «In Your Honor» von 2005. 

 

Leider war das Stade de Suisse (für Bärner isch es s Wankdorfstadion) mit 35’000 Besucher/Innen zwar gut besucht aber nicht ausverkauft. Die Begeisterung war dennoch während der zweieinhalb stündigen Marathon-Show gross. Die drei Jahre warten haben sich auf jeden Fall gelohnt.

Man rätselte lange ob die angeschlagene Stimme von Grohl halten wird. Die Antwort ist ganz klar ja. Der Mann schrie sich die Seele aus dem Leib, gab 200% und wurde den Erwartungen bis zum letzten Ton gerecht. Am Schluss hörte man aber die Anstrengung bei Dave Grohl heraus. Nach dem Song «Everlong» aus der Mottenkiste oder besser gesagt, dem zweiten Album «The Colour and the Shape» (1997) war dann endgültig Schluss. Das Versprechen «We're coming back» wird wohl jede/r gerne gehört haben und hoffentlich dauert es nicht wieder drei Jahre.

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